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Der große Tag des historischen Ringreitens!

Der elfte Schlag seiner Stadtkirche ist kaum verklungen, als König Christian IV. den Balkon seines Rathauses betritt – mit modischem Vorgriff um einige Jährchen wie so oft seiner Zeit voraus. Sein Alter Ego,

Torben Mattson, begrüßt die auf dem Marktplatz Versammelten aus Nah und Fern, die er in Herrschermanier knapp als "Volk!" bezeich-net. Wie bunt gemischt dieses Volk ist und bereits vor 400 Jahren war, weiß er zu schätzen. Abschließend rät er den zum Defilee angetretenen Ringreitern, ihm Ehre zu machen.

Die Kremper Fahnenschwenker in ihren leuchtend grün-weiß-gelben Kostümen setzen seinen Auftritt eindrucksvoll in Szene und führen anschließend den Umzug zum Königsdeich an. Starker Wind macht das Werfen und Fangen der Fahnen zu Akrobatik erster Güte.

Durch Akrobatik, ungewöhnliches Aussehen und den ebenso ungewöhnlichen Namen Azrael fällt bei diesem Umzug auch ein weißes Pferd mit weißen Punkten vom Gestüt af Wendandi auf – ein "weißgeborener Knabstrupper", wie später erklärt wird. Azrael tänzelt, kreuzt die Straße wie ein Segler im Wind, geht seitwärts und zurück, kommt aber trotzdem im Tross mühelos mit. Während das Volk respektvoll Abstand zu ihm hält, bleibt sein Reiter, Ken-Jack Krüger, vollkommen gelassen. Auf dem Reitplatz wirkt Azrael wie erlöst, dass er endlich arbeiten darf. Montags bis freitags ist er nämlich als Deckhengst tätig und fühlt sich am Wochenende unausgelastet. Beim Pas de Deux begeistert er durch Präzision, Grazie, Aufmerksamkeit und Rittigkeit, genau wie sein Partnerpferd Aramis unter der bezaubernden Pia Kaschube im Damensattel und im eigens für diese Vorführungen entworfenen historischen Kostüm. Ein hinreißender Auftakt der reiterlichen Darbietungen. Anschließend reiten zehn Dreizehn- bis siebzehnjäh-rige Mädchen vom Gestüt Tannenhof in Horst eine Quadrille, als hätten sie nie etwas anderes getan. (Ihre Mütter klagen, dass sie tatsächlich nur ungern etwas anderes tun.)

Währenddessen stechen die RingreiterInnen auf dem Paddock gegenüber unermüdlich die winzigen Ringe vom Galgen. Vereine aus Beidenfleth, Dückerstieg, Ecklack und Vaalermoor beteiligen sich und

gewinnen am Ende in den verschiedenen Kategorien. Es gibt jedoch auch "Sandreiter" (was den unbeabsichtigten Landeplatz nach einem Sturz bezeichnet) und "Blindstecher", zu denen auch gutgelaunt der Stadtmanager Jingkai Shi gehört. Sie werden mit "Sandkuchen" der Stadtbäckerei getröstet.

Jenseits des Deichs erkunden derweil Kinder ihre Stadt. Auf Anregung von Monika Hempel vom Förderverein der Stadtbücherei, Zwiebelfisch, gehen sie auf Schatzsuche und sollen siebzehn auf Fotos abgebildete markante Stätten finden. In bunten Umhän-gen wuseln sie durch die Stadt, finden alles, notieren den soundsovielten Buchstaben des soundsovielten Worts einer Gedenktafel und komplettieren nach und nach den Lösungssatz: DIE RÖMISCHE GÖTTIN FORTUNA BRINGT DAS GLÜCK. Der König verleiht ihnen dafür Urkunden und Preise. Aber schon vorher sagen die Kinder, es hätte viel Spaß gemacht, und man sieht es ihnen an. Kinder diesseits des Deichs können den ganzen Tag über Ponyreiten und tun es mit Wonne, gern mehr als einmal. Wieder und wieder werden sie von Freiwilligen wie Merle Schneider, Tochter der Besitzerin des Reitvereins Glückstadt, umher geführt.

Musikalisch untermalen De ole Stadtkapell und der Loofter Musikzug das Geschehen, an dem auch die Bürgermeisterin, Manja Biel, aktiv teilhat. Moderiert wird es von Stefan Wolter aus Itzehoe, den keine Verzögerung, kein Schauer, kein NDR aus dem souve-ränen Plauderton bringt. "Er nun wieder", sagt eine Zuschauerin und lacht, als er erst-mals ins Mikrofon spricht.

Urkunden- und preislos bleiben die vielen Helfer, die den Platz vorbereitet und gewartet, Kuchen gebacken und verkauft, Würste gebraten, Bier ausgeschenkt und vieles mehr organisiert haben. Daher an dieser Stelle: DANKE!

Die zum Schluss ausgelosten Zuschauerpreise gehen nach Hannover, Norderstedt, Vade, Elmshorn, Hamburg, Borsfleth und an eine Glückstädterin. Das zeigt: Auch 400 Jahre nach der Gründung schlägt Glückstadt mehr als lokale Wellen.