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Eine Stadt feiert die Vielfalt 

Ein weiterer Nachbericht für alle, die nicht dabei waren, nicht dabei sein konnten und es gerne gewesen wären (Beatrix Westphal)

 

Wieder einmal lässt sich nicht leugnen, dass Glückstadt eine von Fortuna begünstigte Stadt ist. Auch anlässlich des Festes der Vielfalt (am 23. September 2017) lachte die Glücksgöttin in diesem Jubiläumsjahr bei strahlendem Sonnenschein von blauem Himmel. Gastgeber, Glückstädter und Gäste konnten sich an diesem schöne Spätsommertag an einem Programm erfreuen, das reichlich kulturelle und kulinarische Abwechslung bot.

 

Los ging das bunte Treiben mit einem Festumzug, bei dem sich Glückstädter und Vereine aus der Umgebung musikalisch begleitet vom Spielmannszug farbenfroh und festlich präsentierten, die Kreislandfrauen beispielsweise in alter Tracht, die Trecker der Treckerscheune Barenfleth in historischer Pracht. Auch später, nachdem sie am Rande des Marktes geparkt wurden, waren die Traktoren von Fahr, Fendt, Massey Ferguson oder McCormick ein Magnet für Klein und Groß und beliebtes Fotomotiv.

 

Mitten auf dem Marktplatz bildete die große Bühne das Zentrum des Festes. Von hier wurde das Festprogramm einmal mehr schwungvoll von Stefan Wolter moderiert, das Fest von Bürgermeisterin Manja Biel offiziell eröffnet und bis zum Abend ein abwechslungsreiches Programm dargeboten.

 

Eröffnet wurde das Bühnenprogramm von den aufgeregten Kleinsten der Stadt. Die Kinder der Bürgerschule boten unter Begleitung von Nico Hansen am Akkordeon alte Vogelschießlieder und -tänze dar. Im Anschluss erfreute der Chor der Kindergärten das Publikum mit Kreisliedern wie „Was machen wir so gerne ...“.

 

Die vielen Sitzmöglichkeiten um die Bühne herum luden zum Verweilen ein und dazu, sich die vielfältigen musikalischen, sportlichen und tänzerischen Vorführungen anzuhören, anzusehen und das rege Markttreiben genussvoll zu beobachten. Bei exotischen Köstlichkeiten oder regionalen Spezialitäten.

 

Wer den Markt betrat, hatte die Qual der Wahl … Rund um die Bühne boten die unterschiedlichsten Stände und Zelte in einem Wort: Vielfalt.

 

„Es kommt darauf an, Vielfalt zu leben und zu gestalten“

 

Das Forum für Vielfalt nutzte den internationalen Markt, um ganz persönlich und nah zum Thema Migration zu informieren. Mehrere afghanische Familien hatten landestypische Speisen aus ihrer Heimat bereitet: Da gab es afghanischen grünen Salat mit Koriander abgeschmeckt und Linsensalat, süßen Kebab und Elefantenohren. Oder man konnte sich die Hände mit Henna bemalen lassen.

 

„Heute ist es besonders wichtig, offen zu sein, nicht rassistsisch zu denken und dieses Fest trägt dazu bei, dass Vorurteile abgebaut werden“, sagte Renate Hoppe vom Forum und ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin. Sie hilft Flüchtlingen bei ganz alltäglichen Dingen ebenso wie bei den Behördengängen. Die Herausforderungen seien vielfältig und „das Glückstädter Rathaus bietet eine unglaublich gute Unterstützung.“

 

Ein Viertel der Glückstädter hat einen Einwanderungshintergrund, hatte Bürgermeisterin Biel bei der Eröffnung des Festes erklärt. Dass die Gesellschaft unzweifelhaft vielfältig sei, würde man erkennen, sobald man sich umsehe. In Glückstadt leben inzwischen 71 verschiedene Nationen friedlich miteinander. Diese Vielfalt zu gestalten, sei die Aufgabe.

 

Dass das in Glückstadt besonders gut gelingt, beweist wohl auch das Geschenk, das der afghanische Künstler Adranic Baghdashyran Bürgermeisterin Biel als Vertreterin der Stadt überreichte. Nach seiner Emigration war er vor einigen Jahren in Glückstadt angekommen und so gut aufgenommen worden, dass er sich nun – auch wenn er nicht mehr hier lebt – mit einer Plastik bedanken wollte.

 

Das „Fest der Vielfalt“ bildete den regionalen ebenso wie den internationalen Reichtum der Stadt auf schöne Weise ab und reichte von den Angeboten der Landfrauen bis zu denen aus fernen Ländern. Unter den Pagodenzelte waren auch Dänemark, die Türkei und Russland mit typischen Speisen aus ihren Ländern vertreten – von Hotdog über Börek und gefüllte Weinblätter bis zu Borschtsch und Piroggen.

 

Die russischen Spezialitäten waren von der Gruppe „Singende Herzen“ mit vorbereitet worden. Der gemischte Chor sorgte außerdem für musikalische Unterhaltung und brachte russische Volkslieder, auch in der deutschen Übersetzung, dar und mit ihnen die stets etwas schwermütig wirkende russische Seele auf die Bühne.

 

Regional trifft international

 

Neben den verschiedenen internationalen Volksgruppen nutzten auch Vereine und Unternehmen aus Glückstadt und der Region Fest und Rahmen, um sich und Vielfalt zu präsentieren und mitzufeiern.

 

So konnte man bei den Kreislandfrauen beim Glücksrad selbstgemachte Marmelade gewinnen. Der Kreisbauernverband zeigt die regionalen Getreidesorten von der Ackerbohne über Dinkel bis zum Weizen auf einem Anhänger und führte vor, wie Rapsöl gewonnen wird. Passend zur Jahreszeit bot Annemarie Rohde verschiedene Apfelsorten zum Verkosten an, schnitzte Gesichter in Äpfel und stellte Interessierten die Aktion „Pausenapfel“ näher vor. Am Stand der Treckerscheune Bahrenfleth gab es außerdem frisch gepressten Apfelsaft.

 

Für kulinarische Vielfalt sorgte eine Vielzahl an Gastronomen an verschiedensten Speiseständen, die Auswahl reichte vom Crepe bis zur Grillspezialität. Für Getränke war natürlich auch gesorgt. Das fahrende Cafè Zaunkönig beispielsweise zauberte Kaffeespezialitäten, die vielen bereits vom Wochenmarkt bekannt sind. Eine Empfehlung: der Cafè Moccha, ein Espresso mit etwas Kakao, der für einen außergewöhnlichen Geschmack und eine tolle Farbe sorgt.

 

Wilckens Farben nutzte den Markt, um sich als Ausbildungsbetrieb in der Region zu präsentieren und Kindern fanden hier einen Ort, um unter dem Motto „Farbenspiel“ mit bunten Farben zu malen. Die Bürgerschule repräsentierte das traditionelle Glückstädter Vogelschießen; von der Familienbildungsstätte wurde ein buntes Kinderprogramm angeboten. Und wer noch etwas Gutes tun wollte, konnte die Patenschaft für eine neue Orgelpfeife in der Stadtkirche zu Glückstadt übernehmen.

 

Mehr Vielfalt geht nicht? Doch! Das Fest der Vielfalt bildete den Auftakt für die interkulturelle Woche, die bis zum 1. Oktober 2017 noch mehr Gelegenheit bietet, sich zu begegnen, Gemeinsamkeiten über alle Grenzen hinweg zu entdecken und miteinander zu feiern.